Unsere Rente ist ein Witz


Bild schreibt am 11.08.2014: Unsere Rente ist ein Witz! 50 bzw. 67 Deutsche zeigen, wovon sie im Alter leben sollen.

http://www.bild.de/bild-plus/geld/wirtschaft/rente/unsere-rente-ist-ein-witz-37203338,view=conversionToLogin.bild.html

Die Rentenversicherung war megaschnell und hat auf Ihrer Seite gleich eine Stellungnahme veröffentlicht:

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/4_Presse/infos_der_pressestelle/02_medieninformationen/02_meldungen/drv_zu_BILD_Artikel.html

In seiner Ausgabe vom 11.8.14 zeigt BILD 50 Menschen mit ihrer Renteninformation, die über die Höhe ihrer künftigen Rente berichten. BILD schließt hieraus, „Unsere Rente ist ein Witz“.

Die in BILD dargestellten Fälle sind nicht repräsentativ für die Erwerbstätigen in Deutschland und spiegeln nicht die reale Absicherung durch die gesetzliche Rentenversicherung wider. Ein erheblicher Teil der in BILD gezeigten Menschen war im Niedriglohnsektor tätig, längere Zeit arbeitslos oder über einen längeren Zeitraum selbstständig. Sie haben dementsprechend deshalb auch keine hohe Rente zu erwarten. Damit wird ein verzerrtes Bild der Absicherung der Bevölkerung durch die Rentenversicherung gegeben.

Problematisch ist auch die Aussage in BILD „50 Deutsche zeigen, wovon sie im Alter leben“. Die Rentenhöhe allein kann keine Auskunft darüber geben, wovon man im Alter lebt. Die gesetzliche Rente ist in der Regel nur ein Teil des Einkommens im Alter.

Fakt ist allerdings, dass das Rentenniveau in der Rentenversicherung sinkt und man mit der gesetzlichen Rente allein nicht den bisher erreichten Lebensstandard sichern kann. Um den Lebensstandard zu halten, ist der Aufbau einer zusätzlichen Absicherung neben der gesetzlichen Rente notwendig. Die Renteninformation ist wichtig, um den Menschen ein realistisches Bild ihrer künftigen Rente zu geben. Sie ist eine wichtige Planungsgrundlage für die zusätzliche Altersvorsorge.

Ein Plus für die gesetzliche Rente ist, dass sie gerade in Krisenzeiten eine sichere Absicherung bietet und auch die jungen Menschen später mehr aus der Rentenversicherung herausbekommen, als sie eingezahlt haben, wie jüngste Berechnungen von Finanztest gezeigt haben.“

Hierzu einige Gedanken: Zu 1: Auf der Seite der Rentenversicherung werden die Statistiken für jedermann zugänglich veröffentlicht, wie hoch die Renten waren und sind. Siehe auch mein Artikel http://blog.finesurance.de/weihnachten-kommt-unverhofft/

Übrigens: In diesem Video wird die Rente eines Gutverdieners auseinander genommen. Sie sehen und hören, dass auch dessen Rente nicht allzu üppig ausfällt. http://blog.finesurance.de/irrefuehrung-renteninformation/

Von daher finde ich das nicht verzerrt. Der Schreibstil ist ein anderer als der der FAZ. Polemik ist auch dabei, klar. Aber Bild ist eben Bild.

Zu 2: „Die gesetzliche Rente ist nur ein Teil des Einkommens im Alter.“ Laut „Rentenversicherungsbericht 2013“ der Bundesregierung „stammen 64% aller den Seniorenhaushalten zufließenden Einkommen aus der gesetzlichen Rentenversicherung“ (Daten aus 2011). Hier werden Singles genauso erfasst wie Ehepaare. Ein Ehepartner muss dabei über 65 sein. Also werden hier auch diejenigen mit einem jüngeren und gegen Entgelt beschäftigten Partner erfasst (verfälscht die Statistik). Auch die tendenziell wesentlich besser versorgten Beamten werden berücksichtigt (verfälscht die Statistik?), nicht aber Heimbewohner. In dem Bericht wäre auch die Darstellung des Nettogesamteinkommens hilfreich. Brutto ist halt nicht netto. 40% der alleinstehenden Rentnerinnen haben eine Rente von unter 1.000€ mtl. 59% haben eine höhere Rente. Das macht nach Adam Riese – äh Bundesregierung – 100%. Ich komme trotz Taschenrechner mit mehrfacher Kontrollberechnung nur auf 99%. Jetzt bin ich etwas unsicher, was ich von dieser Statistik halten soll. So ganz ernst kann ich das ja nicht nehmen. Bei den Männern sind es auch 99%: Da haben nur 29% eine Rente von unter 1.000€ und 70% eine höhere Rente. Vergessen Sie nicht, hier noch die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und ggfs. die Steuern abzuziehen.

Auf welches Einkommen zahle ich als Rentner Beiträge in der Krankenversicherung?

 

Zu 3: Und: „Um den Lebensstandard zu halten, ist der Aufbau einer zusätzlichen Absicherung neben der gesetzlichen Rente notwendig.“ Ja, das wissen wir alle. Wir fragen uns nur, wovon wir das bezahlen sollen…Ältere Generationen waren/sind sehr sparsam. Das erkennt man auch daran, dass deren Einkünfte nur zu 64% aus der gesetzlichen Rentenversicherung kommen. Die heutige Generation lebt lieber im Hier und Jetzt (Vogel Strauß) oder kann sich die Altersvorsorge schlicht und einfach nicht leisten. Das erkennt man auch daran, dass Rentenneuzugänge eine geringere Rente haben als insgesamt im Durchschnitt ausgezahlt wird.

Zu 4: „Die Renteninformation ist wichtig, um den Menschen ein realistisches Bild ihrer künftigen Rente zu geben.“ Ja, aber genau das passiert doch nicht. Ich „lese“ die Renteninformation (d.h. ich sehe eine große Zahl und lehne mich entspannt zurück. Der Text davor und dahinter wird nicht gelesen) und sage „Wow, alles roger. Schatzi, wo verbringen wir denn dieses Jahr unseren 2. Urlaub?“ In der Renteninformation wird zwar ein Hinweis auf die Inflation gegeben. Toll wäre es jedoch, wenn der geneigte Leser, dann nicht zum Taschenrechner greifen und sich selber ausrechnen muss, was die Inflation für ihn persönlich in € heute bedeutet. Höre Video. http://blog.finesurance.de/irrefuehrung-renteninformation/

Schön wäre es auch, wenn in der Renteninformation stünde, wie hoch die Durchschnittsrente tatsächlich ist, und wie hoch die durchschnittliche Rente der Neurentner beträgt. Letzteres ist nämlich niedriger als ersteres. Oooops!

„Was interessiert mich der in Statistiken dargestellte nicht existierende Eck- oder Standardrentner?“ Den können Sie suchen wie eine Nadel im Heuhaufen. Und? Gefunden? Ich auch nicht. Der Eckrentner ist ein Yeti: viele reden von Ihm, gesehen haben ihn wenige.

Zu 5: Auf welche seriöse staatliche Stelle verlässt sich die Rentenversicherung denn da?

Auf der einen Seite schreibt die Rentenversicherung in Ihrem Dementi, dass man privat vorsorgen soll, auf der anderen Seite wird beschwichtigt, dass der Bild-Artikel nicht die reale Absicherung durch die gesetzliche Rentenversicherung widerspiegele. Fakt ist jedoch: Ich muss was tun. Und ich muss viiiiiiiel tun. So schmerzhaft es ist: Ich muss heute auf Konsum verzichten. Nur hat das die heutige Generation nicht gelernt.

Und: Ich wäre mal für Klartext in der jährlichen Renteninformation. Und: Ich wäre mal für Klartext in der jährlichen Renteninformation. Wenn die Bundesregierung schon nicht addieren kann, wie kann man dann von uns eine Abzinsung/Aufzinsung verlangen?

Artikel vom 11.04.2014

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